Deutschland ist ein Reiseland mit einem kleinen Luxusproblem: Es ist so reich an sehenswerten Orten, dass viele seiner schönsten Ziele jahrzehntelang im Schatten der großen Metropolen stehen. Wer das Wochenende nutzen möchte, um dem Alltag wirklich zu entkommen, muss nicht in den Süden fliegen — er muss nur die richtige Bundesstraße einschlagen. Diese neun Orte sind der Beweis.

1. Goslar, Niedersachsen

Diese Kaiserstadt am nördlichen Harz beeindruckt mit einem der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtbilder Deutschlands. Das Fachwerkensemble rund um den Marktplatz und die romanische Kaiserpfalz stehen unter UNESCO-Schutz — und trotzdem sind die Straßen selbst an sommerlichen Wochenenden angenehm überschaubar. Ideale Ausgangslage für Wanderungen im Harz inklusive.

2. Bamberg, Bayern

Bamberg hat alles, was das Herz eines Reisenden höher schlagen lässt: sieben Hügel, von denen jeder eine Kirche trägt, eine intakte Altstadt, die ohne Kriegsschäden die Jahrhunderte überdauert hat, und eine Brauereidichte, die selbst Kenner der bayerischen Bierkultur in Staunen versetzt. Wer im Frühjahr kommt, erlebt zudem die Bischofsmutze, ein Rauchbier, das nur hier gebraut wird.

3. Monschau, Nordrhein-Westfalen

Das Eifelstädtchen mit seinen Schieferdächern und engen Gassen wirkt wie eine Filmkulisse — und genau das macht es so unwiderstehlich. Die Rur schlängelt sich durch das Tal, die alten Tuchmacheranwesen erzählen von ehemaligem Wohlstand, und die umliegenden Höhenzüge laden zum Wandern ein. Im Winter lockt der traditionsreiche Weihnachtsmarkt.

4. Usedom, Mecklenburg-Vorpommern

Die Sonneninsel, wie sie nicht ohne Grund genannt wird, bietet eine der längsten Badestrandzeiten aller deutschen Küstenregionen. Die Kaiserbäder Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck haben ihre großbürgerliche Bäderarchitektur bewahrt und wirken wie ein eleganter Gegenentwurf zur kommerziellen Ostseeküste. Am besten außerhalb der Hochsaison besuchen.

5. Meersburg, Baden-Württemberg

Meersburg thront auf einem steilen Hügel über dem Bodensee und bietet eines der dramatischsten Stadtbilder Süddeutschlands. Weinhänge, die direkt ins Seeufer gleiten, ein funktionierendes mittelalterliches Schloss und die Erinnerung an die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff machen den Ort einzigartig.

6. Görlitz, Sachsen

Als „Gerölitz“ kennen es Filmfans aus Blockbustern wie „The Grand Budapest Hotel“ — Görlitz bietet eine der besterhaltenen barocken Stadtkulissen Europas. Die Neiße trennt die Stadt von der polnischen Partnerstadt Zgorzelec; wer beide erkundet, erlebt Europa in miniaturisierter Form.

7. Lübeck, Schleswig-Holstein

Das Holstentor kennt jeder, die UNESCO-Altstadt kennen die wenigsten vollständig. Lübeck ist mehr als Marzipan: mittelalterliche Handelshäuser, Salzspeicher, Gänge und Höfe, die Welterbe-Status verdienen — und bekommen haben. Thomas Manns Geburtsstadt hat ein reiches kulturelles Erbe, das leicht unterschätzt wird.

8. Husum, Schleswig-Holstein

Die „graue Stadt am Meer“, wie Theodor Storm sie nannte, hat den melancholischen Charme einer nordfriesischen Handelsstadt über Jahrhunderte konserviert. Im Frühjahr verwandeln Millionen von Krokussen den Schlossgarten in ein violettes Wundermeer — ein Naturschauspiel, das selbst Hobbyfotografen zu Künstlern macht.

9. Passau, Bayern

Wo Inn, Ilz und Donau zusammenfließen, entstand eine der eigentümlichsten Stadtlandschaften Deutschlands. Passaus altbayerisch-österreichisches Flair, die maßige Dom-Barockfassade und die engen Gassen der Altstadt auf der schmalen Landzunge zwischen den drei Flüssen machen jeden Spaziergang zur kleinen Entdeckungsreise.

„Deutschland hat keine Reisegeheimtipps — Deutschland hat nur zu wenig Reiselust für seine eigenen Schätze.“

Alle neun Orte sind gut mit der Bahn erreichbar, bieten eine entwickelte Gastronom- und Unterkunftsinfrastruktur und eignen sich sowohl für Alleinreisende als auch für Familien. Das Schönste: Der nächste Kurzurlaub beginnt nicht am Flughafen.