Es war ein frühlingskalter Dienstagnachmittag im Februar, als sich etwa 120 Trauergäste auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg versammelten, um Abschied zu nehmen von Eckhard Voss — Kaufmann, Familienvater und, wie alle, die ihn kannten, bemüht waren zu erklären, ein Mensch von berührender Großherzigkeit. Was dann geschah, hatte niemand vorhergesehen — und die meisten werden es so schnell nicht vergessen.

Der Moment, den niemand erwartete

Als der Pfarrer sein Schlusswort beendet hatte und die Trauergäste sich anschickten, zum Grab zu gehen, war zunächst ein leises Rotorgeräusch zu hören. Innerhalb weniger Minuten schwebte ein Helikopter in höflichem Abstand über dem alten Baumbestand des Friedhofs — und öffnete eine Luke. Was folgte, war ein sanfter Regen aus Bündeln von 50-Euro-Scheinen, die sich im Wind verteilten und zwischen den Grabmälern, auf den Wegen und in den Händen der verblüfften Trauernden landeten.

„Ich habe zunächst gedacht, ich träume“, sagte Monika Schröder, eine langjährige Geschäftspartnerin des Verstorbenen. „Dann habe ich begriffen: Das ist ein Abschied auf Eckhard-Art. Er hätte es nicht anders gewollt.“

Wer dahintersteckte

Initiator der Aktion war Sohn Philipp Voss, 42, Inhaber einer mittelständischen Logistikfirma mit Sitz in Hamburg-Harburg. In einem kurzen Statement, das er am Folgetag über das Familienbüro verbreiten ließ, erklärte er, sein Vater habe zeitlebens darauf bestanden, dass Geld nicht aufgehäuft, sondern weitergegeben werden soll — am besten direkt, am besten sichtbar.

„Er hat mir als Kind immer gesagt: Wenn du gibst, dann gib so, dass die Person, der du gibst, sich gesehen fühlt. Dieser Abschied sollte das sein — sein letztes Geben.“ Die Summe, die verstreut wurde, soll nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Anwesender im fünfstelligen Bereich gelegen haben.

Was mit dem Geld passierte

Ein Teil der Scheine wurde von Trauergästen aufgehoben und später an eine Hamburger Straßenkinder-Einrichtung gespendet — auf ausdrücklichen Wunsch der Familie. Einige Scheine, die auf benachbarte Grabfelder geweht waren, wurden vom Friedhofspersonal eingesammelt und ebenfalls der Spendenbox des Friedhofsvereins übergeben.

Hamburg diskutiert: Respektlos oder rührend?

In den sozialen Medien verbreitete sich das Video, das eine Trauergästin mit ihrem Smartphone aufgenommen hatte, innerhalb von Stunden. Die Reaktionen teilten sich klar: Die einen nannten die Aktion „zutiefst respektlos gegenüber dem Ort und den anderen Trauernden“, andere fanden sie „bewegend, mutig und vollkommen konsequent“.

„Wer hat hier entschieden, was Trauer auszusehen hat? Eckhard Voss würde gelacht haben.“ — Philipp Voss, Sohn des Verstorbenen

Der Ohlsdorfer Friedhof, mit über 391 Hektar einer der größten Parkfriedhöfe der Welt, hat ähnliches noch nicht erlebt. Die Friedhofsverwaltung gab an, keine rechtlichen Schritte einzuleiten — der Helikopter habe den Mindestabstand eingehalten, und die Veranstaltung sei polizeilich nicht beanstandet worden.

Was bleibt, ist eine Geschichte über einen Mann, der Geld als Geste verstand — und einen Sohn, der ihm das letzte Wort ließ.